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Zum Punk Im Pott mal was Besinnliches. Nachdem Annika aus Kamen als Sängerin der Ropey Shags vor doch so einigen Jahren feinen englischsprachigen Punkrock servierte, ist sie heute mit leiseren Tönen mal solo, mal mit kleinem Aufgebot als Anni Hilation’s Arms zu sehen. Wir haben sie mit unseren vier Fragen belästigt.

1. Wie bist du zum Punk gekommen?
eine chronik in sieben kapiteln.
1. Der anfang mit fünf. faszination für die äußere hülle von punks. mehr kannt ich nicht. mädchentypisch drei barbies meiner schwester frisiert. seiten ab, mitte n stück länger. kleber rein, hochgestellt, bunt gefärbt mit pelikan. Keine ahnung, wo ich das her hatte. gleicher zeitraum, kindergarten: wiederholt ärger bekommen fürs kleber schnüffeln.
2. nächster schritt, sozialkritik. um politik hab ich mich noch nicht gekümmert. zwölf jahre, „viva la muerte“ von slime als gerippte kassette von einer freundin bekommen. erste versuche, songs auf der akustikklampfe nachzuspielen und schon mal sachte mit zu singen. wizo kamen dazu. but alive. die äußere hülle wurd mit inhalt gefüllt. sozialkritik. ich mochte das. später die ersten songs auf englisch mit der „idle gossip“ von den toy dolls. mit 14 fand ich das witzig
3. dann gings erstmal weiter mit der grunge-geschichte. nirvana, pearl jam, n bisschen silverchair. gleichzeitig skatepunk. mit 15 erst mein erstes konzert, SLUP. cowboy und so, fingerkuppenkribbler. venerea warn auch groß dabei. danach immer mal wieder kleine konzerte, aber moderat. meine freunde hatten damit kaum was am hut, da war es mir nicht so selbstverständlich, guten punkrock oder fanzines kennenzulernen.
4. diesen wirklich schönen ende 70er punkrock und ursprünglichen anfang 80er hardcore hab ich erst spät kennen gelernt, durch einen freund. mit 19 oder 20. ab da kam so meine hoch-zeit. das hat mich geflasht. es war so wunderbar hymnisch, mir gings da allein um die musik und das gefühl. zu der zeit las mich in die materie ein und fands mega spannend; ich hab mich wohl gefühlt damit. und tu das immer noch. 3-4 konzerte in der woche, verschiedene länder, squats, alles ziemlich asi. aber immer liebevoll und schön.
5. die politische komponente des punk, die mich zunächst herzlich wenig interessiert hatte, packte mich ebenfalls erst ein jahr nach dem abitur. vor 13 jahren. als ich anti flag im rahmen einer donots show in paris gesehen hatte. ich verstand plötzlich, dass politik nicht nur von anzugträgern in berlin und brüssel gemacht wird, sondern dass meine eigene proaktivität dinge, die mich betreffen, zum positiven verändern kann. das war nun nicht mehr nur die faszination für die ‚andere‘ erscheinung von punks, nicht mehr nur sozialkritik, nicht mehr nur ein gefühl. das war der schlüssel zum interesse an den hintergründen von großer wirtschaftspolitik. ein jahr später stieg ich als sängerin bei den gerade neu formierten ROPEY SHAGS (77er punkrock) ein. zufall. und einige der besten zeiten, die ich hatte.

6. mittlerweile bin ich u.a. sowi-lehrerin und versuche, meine schüler schon früh an proaktives handeln heranzuführen. immer mit dem gedanken im hinterkopf, dass es das war, was sogar mich gekriegt hat. ich möchte selbstständiges denken schärfen. und selbstwirksamkeit vermitteln.
7. heut vestehe ich unter ‚punk‘ nicht mehr die „äußerliche erscheinung“, nicht mehr das „politische instrument“. am ehesten sehe ich ihn noch als „sozialkritik“. aber vor allem empfinde ich ihn als entspannendes lebensgefühl, das ich in worten nicht beschreiben und nie komplett verlieren möchte.

2. Hat das Ruhrgebiet eine bestimmte Bedeutung für dich?
ja. hier bin ich aufgewachsen. kamen liegt am rande des ruhrgebiets, ist eher ruhig und ziemlich idyllisch. aaaaber, hier hält der RE 6. und der RE 1. die zwei bringen einen in nullkommanix überall hin. zu konzerten, freunden, parties. ohne umsteigen. alles ist hier sowas wie um die ecke. als autofahrer darf man sogar ruhig mal den weg verträumen – es gibt nämlich gefühlte 1.000 autobahnausfahrten; die nächste jeweils in rund 2 km. das ruhrgebiet ist zu teilen unfassbar schäbbig und assig in den städten, gleichzeitig wunderschön in seiner natur und kultur. es hängt den großen städten etwas hinterher, was den style betrifft, aber da bin ich ganz froh drum. ich mag den ruhrpottcharme; den rauen und doch gut gemeinten ton von dicken muttis hinterm bäckereitresen, die einer bohnenstange, wie mir, versuchen, die magie der chiasamen und die kohlenhydratarmen vorteile von eiweißbrot zu erklären. ich mag schmalzstullen zu bier und herzliche ehrlichkeit von wirten in altmännerkneipen und so. gleichzeitig raubt es mir den verstand, so viel bitterness zu sehen, oft zu hören. oft bei älteren menschen. im ruhrgebiet scheint mir der altersstarrsinn weit verbreitet, deutlich mehr als etwa im norden. aber, deutlich weniger als im süden. mein ich. besonders im winter scheint es grau. aber die sonne hüllt es immer wieder in bunte, kräftige und lebhafte farben. das ist schön.

3. Verbindet Punk und Ruhrgebiet irgendetwas?
ja, für mich allein in so fern, als dass ganz viele läden in ganz vielen städten des ruhrgebiets richtig gute punkkonzerte veranstalten. im grunde sind es immer die gleichen pappenheimer, die man dann trifft, das find ich aber ganz großartig. könnten allerdings, grad auch bei neueren bands, ein paar mehr sein.
was verbindet punk und ruhrgebiet. was bedeutet punk und was bedeutet ruhrgebiet. und was davon überschneidet sich. öööh… brainstorming. dreckig, laut, unangepasst, kritisch, ehrlich, stumpf, bunt, sozial/asozial, provozierend, hedonistisch, rebellisch, nihilistisch, frisurenperfektionismus, eitelkeit, angeblich arbeiter, dilettantisch, herzensgut,… Joa. gibt verbindungen :)

4. Was ist für dich der “punkigste” Ort im Ruhrgebiet?
ich mag das wageni. auch wenn ich dort lang nicht mehr war, fand ich die atmosphäre dort immer gut. miniklein, oll, leckeres veganes essen, angemessene preise, top bandauswahl, sowas wien garten  vor nem fenster mit stufen als eingang, gute menschen. sonst fällt mir nicht so richtig mehr was ein. damit will ich aber nicht sagen, dass es sonst nichts gibt. clubs, die meiner meinung nach nicht so ‚punkig‘ sind, find ich ja trotzdem toll.

Anni Hilation’s Arms bei Facebook

wpid-wp-1446394049944.jpgAcht Jahre sind vergangen, seitdem Paranoya mit „Atmen“ mehr oder weniger ihr erstes richtiges Album veröffentlicht hatten. Erstaunlich, dass sie mit „Fragmente“ unbeirrt wieder veröffentlichen, als hätten sie einfach immer weiter gemacht.

Ich persönlich halte Paranoya für eine gemeinhin unterschätzte Band, von der ich mir durchaus mehr Präsenz gefallen lassen würde. Denn obwohl die Band immer so ratzfatz in die Deutschpunkecke geschoben wird, beeindruckt sie mich immer wieder mit ihrem absolut wiedererkennbaren Sound. Dass die eine Hälfte der Band dabei aus dem Metal kommt, ist nicht zu überhören. Damal wie heute haftet der Musik etwas brachiales, sprödes an, das gut zu den im positiven Sinne humorlosen Texte zwischen Wut und Nachdenklichkeit passt, ohne dabei musikalisch in so einem maskulinen Pathos zu Enden, der dem Metal bisweilen anhaftet.

Stattdessen weiß die Band in „Bitter“ auch keine aufbauende Antwort auf die Sinnfrage (was ich als Philosoph wiederum auch gar nicht so bedrückend finde). Bedrückend ist hingegen, dass der Song „Narren“ über rechte Biedermänner im Laufe der acht Jahre noch so viel aktueller geworden ist. Großartig ist der Text zu „Disney“, der die Traumwelt eines Utopisten oder sonst einem Lebenskünstler konterkariert, weil die Welt eben all das gar nicht hergibt: „Doch das hier ist nicht Disney.“ Kleiner Tipp: „Funktion“ kommt auch auf 45rpm ganz gut.

Herrlich auch die Aufmachung. Die Vinyl kommt in ausklappbarer Hülle mit einem starken Cover, das, wenn ich mich recht an Hendriks Worte bei Schließmuskel erinnere, aus seiner Feder stammt. Texte und CD kommen dazu. Was will man mehr außer vielleicht einen Disney-Sticker?!

Was gibt es zu kritisieren: Der Aufdruck für die A-Seite ist leider kaum als solcher zu erkennen. 😉

flyer_toodrunktowatch-goes-Pott-2015Vom 15. bis 17.10. wird die Kneipe Neuland an der Rottstraße zum Programmkino. Beim „Too drunk to watch“ Punkfilmfestival werden über die drei Tage verteilt X vollkomen unterschiedliche Filme zum Thema Punk gezeigt. Von Dokumentation bis Spielfilm, von Kuba bis ins Ruhrgebiet – das Programm ist extrem vielfältig. Und am Samstag gibt TV Smith in der Trompete gar noch ein Abschlusskonzert. Organisator Stefan hat uns ein paar Fragen beantwortet.

 

stefanWie ist es dazu gekommen, dass das „too drunk to watch“ in Bochum Station macht?

Ich hatte einfach Bock mal ein Punk-Filmfest zu machen und da ich wusste, dass es das in Berlin schon seit ein paar Jahren gibt, habe ich Kontakt zu Corny aufgenommen, der es dort ins Leben gerufen hat und jedes Jahr veranstaltet. Er war an einer Kooperation interessiert und hat mir das Logo und eine lange Filmliste zur Verfügung gestellt. Außerdem laufen die Infos auch über die Website und über die dazugehörige Facebookseite. So eine Art Franchisemodell.

Wer steckt denn dahinter?

Hinter der Ruhrgebietsausgabe stecke eigentlich nur ich. Ich mache ja sonst vor allem Radio bei punkrockers-radio. Im Neuland, wo das Festival stattfindet, veranstalte ich ab und an Akustikkonzerte. Der Laden ist optimal geeignet, um das Festival in kleinem Rahmen zu machen.

München, Kuba, Ruhrgebiet. Ist der internationale Charakter mit lokaler Erdung Teil des Konzepts?

Ein echtes Konzept steht sicherlich nicht hinter der Auswahl der Filme. Ich habe hier vor allem auf den Fundus des großen Berline Bruders zurückgegriffen. Da die Veranstaltung auf Spendenbasis läuft, gibt es auch kein Budget um Verleihgebühren zu bezahlen und haben vor allem auf DIY-Produktionen zurückgegriffen, was aber ziemlich gut passt, wie ich finde. Am Donnerstag gibt es so eine Art Bayern-Schwerpunkt und bei den Filmen am Samstag ist TV Smith, der dann später noch in der Trompete live spielen wird, das verbindende Element, da er in beiden Filmen zu sehen ist.

Wie kann man sich so einen Abend vorstellen? Gibt’s Popcorn? Darf während des Films geblödelt werden?  

Meine Vorstellung ist, dass ein paar Leute kommen, sich ein paar Bierchen trinken und alle einen lustigen Punkabend haben, der mal kein Konzert ist. Den Rest wird sich finden.

Auf welchen Film freust du dich selbst am meisten?

Am aufregendsten wird vermutlich der Film in meinem Kopf werden, wenn es dann 1 1/2 Jahre nach der Idee dann wirklich losgeht und tatsächlich Leute kommen.

http://toodrunktowatch.de/

Das komplette Programm:

D O N N E R S T A G
20:00 Uhr Chao Leh – Die Punknomaden
http://www.chaoleh-punkfilm.com/

21:30 Mia San Dageng
http://www.muenchen-punk.de/mia-san-dageng

F R E I T A G
20:00 Uhr #yourcity – Punk
http://www1.wdr.de/fernsehen/regional/hierundheute/trailer/videoyourcitypunks100_size-L.html

21:00 Uhr CubaCorLibre
http://www.youtube.com/watch?v=-eKbuxRdTJo

22:30 The Heart of Bruno Wizard
http://heartofbrunowizard.com/

S A M S T A G
20:15 Punk was my first love
https://vimeo.com/107037366

20:45 Uhr Brennende Langeweile
https://www.youtube.com/watch?v=7Cl00ul3np4

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23:00 Uhr TV Smith
https://www.facebook.com/events/440460702787991/

anschließend GOING UNDERGROUND

Was ein flottes Ding ist denn bitte die neue Sondaschule-Platte geworden? Während ich gelegentlich eher Vorwürfe höre, die neue Platte wäre super seicht und total poppig, erlebe ich das Teil vollkommen anders. Weniger Songs über Fäden, die aus Frauen hängen, auch optisch mehr Working Class. Der Opener ist für Sondaschule Verhältnisse hochpolitisch, wendet sich gegen deutsche Kanzler und ihre Panzer und gegen nichts anderes als die gefährliche Vorstellung, man könne die Welt klinisch rein sortieren und bis ins Detail steuern.

Mit Mülheim-Ruhr haben auch Sondaschule nun eine hymnische Liebeserklärung ans Ruhrgebiet „bis vor Dortmund“ im Programm, dem quasi als Kontrapunkt „Lass uns los“ gegenüber gestellt ist, in dem Fluchtgedanken aus einer heruntergekommenen Region thematisiert werden.

„Is mir egal“ zieht getragen von Bläsern dermaßen flott nach vorn, „so schön Scheiße“ offbeated vor sich hin, die alte herablassende im Ruhrgebiet gebrauchte Aufforderung „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ bekommt einen Song. „Es stinkt in dieser Stadt“ nimmt kurz das Tempo raus, bevor „Keine Liebesbriefe“ nochmal anzieht und die Platte mit „Schön kaputt“ überraschend still und leise zu Ende geht.

Für Leute, die ansonsten nur Hardcorepunk hören, ist das vielleicht zu flott und poppig. Für mich ist „Schön kaputt“ bislang die rundeste, abwechslungsreichste und hörenswerteste Platte von Sondaschule. Gerade deshalb wäre ne hübsche Vinyl doch mal ne feine Sache.

wpid-wp-1437983793031.jpeg„Danke für Punk“, „Danke fürs Bier holen“, „Danke für Alles“, „Danke für Hilfe in schwierigen Zeiten“, „Danke für den geilen Abend“, „Danke für die kalte Flasche Wasser am Morgen danach“. „Danke“ ist ein gemeinhin unterschätztes Wort, auch wenn es vielleicht nicht wirklich das punkigste Wort unserer Zeit ist, wie Zepp Oberpichler (Jimmy Keith, Schlaffke und Zepp) im Begleittext seiner neuen Platte behauptet. Denn die heißt „Danke“ und ist auch überhaupt nicht punkig. Denn ein ehrliches „Danke“ verweist auf besondere zwischenmenschliche Momente, möglicherweise auf einen Moment der Schwäche, die Einsicht, dass man ohne jemand anderen vielleicht nicht so gut dastehen würde, wie man es gerade tut, sei es weil man schlicht kein Bier in der Hand hätte, wenn es nicht jemand geholt hätte, weil man nie die Freiheit im Punkrock erlebt hätte, wenn nicht jemand damit begonnen hätte oder weil ein Freund eben da war, als man am Boden lag.

Auf diese Momente zielt auch der Zepp mit seiner neuen Platte. Nur mit der Gitarre, zehn eigenen Texten und zwei Lieblingsgedichten (Gryphius und Ernst Moritz Arndt) bewaffnet singt er Songs über das Leben und all diese besonderen Momente und Menschen. Dabei kommen dann eher flotte Songs wie „Schimmelreiter“ (zweifellos auch eine literarische Anspielung, wenn auch mit eigenem Text) oder auch sehr stille, nachdenkliche wie „Wie du bist“ heraus. In diesen Momenten erinnert Zepp manchmal an die Solosachen von Tom Liwa (Flowerpornoes).

Sowas ist immer ein schmaler Grat und vermutlich würde ich an dieser Stelle lieber nicht drüber schreiber, wenn es nicht geglückt wäre. Fernab von Kitsch klingen die Songs angenehm rau und spröde. Dass der Zepp gut texten kann, kann man nicht nur in seinem Gedichtband „Heartzland“ (übrigens in unserem liebenswerten Verlag Henselowsky Boschmann erschienen) bestaunen. So vermeidet er auch hier nebulöse Metaphernwolken, bleibt angenehm konkret und nachdenklich.

Also wie kann man diese Rezension beenden: Danke, lieber Zepp :-)

Die CD ist über www.oberpichler.de sowie ausgewählten Fachhandel erhältlich. Digital ist sie in den einschlägigen Plattformen zu bekommen.

 

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Zum zweiten Mal dabei: Bicahunas aus Witten

In Gelsenkirchen gibt es mal wieder eine regelmäßige Punkkonzertreihe. Tobi sorgt mit seiner Punkrocksause für Kontinuität im nördlichen Ruhrgebiet.

In Gelsenkirchen ging in letzter Zeit nicht so wahnsinnig viel. Findet das ganze deshalb oder trotzdem im Spunk statt?

Ich hatte von meiner Seite im JZ Spunk in Gelsenkirchen einfach mal angefragt, ob ich ein Punkkonzert dort veranstalten könnte, da ich selbst vorab als Besucher dort Konzerte besucht hatte, und nicht all zu weit weg von da herkomme.

Wie wurde das dann zu eine Reihe, mit demnächst einem ersten kleinen Jubiläum?

Bei meiner Reihe spielen immer drei Bands für immer günstige 5 Euro Eintritt. Die Idee einer Punkrocksause-Reihe war zu Beginn gar nicht geplant. Die Sause 1 mit den Bicahunas, Rasender Stillstand und Halb11 war dann so gut besucht, mit viel positivem Feedback und Musikern aus anderen Bands im Publikum, dass es im September 2014 zur Sause 2 kam, bei der mit Stromble Fix, EKG und Earwax erneut drei Bands spielten. Daraufhin bekam ich zwei Termine von Seiten des JZ Spunk und im Januar 2015 kam es zur Sause 3 mit World Breakdown, Forever Young Viktoria und Und Mir Der Mond. Weiter geht es jetzt am 14. März mit Sause 4, bevor dann am 12. September die erste Jubiläumssause 5 steigt.

Eigentlich spielt jedes mal eine Band aus dem Ruhrgebiet. Ist das Teil des Konzepts oder ein Weg spritkosten klein zu halten?

Ich suche mir jedesmal drei Bands selbst aus, teils Bands von Bekannten, teils Bands, die ich selbst als Besucher gesehen habe und hinterher nach einem Auftritt gefragt habe. Da ich an den Wochenenden selbst viel im Ruhrgebiet unterwegs bin, ergibt sich das dann öfter, dass Bands aus dem Ruhrgebiet spielen. 

Die nächsten Sausen im JZ Spunk, Festweg 21, 45886 Gelsenkirchen
Sause 4: Fehlschuss, Spit Pink, Der Gierige Diktator
Sause 5: Duc, Bicahunas, Zwischen Den Wänden
Immer fünf Euro

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Fotos oben und unten: Birgit Hupfeld

Ist das schon die Provokation? Just eben wurde untersagt, den Theaterraum mit einem Bier zu betreten, als die Kassierer den Abend in einem Bühnenbild aus Bierkästen und dem Song „Das schlimmste ist wenn das Bier alle ist“ eröffnen. Größer werden die Skandale des Abends nicht. Es folgt ein hochvergnüglicher Theaterabend oder auch das bequemste Kassiererkonzert ever.

Kurz zur Story. Häuptling Abendwind (Uwe Rohbeck) und sein Volk leben fernab europäischer Maßstäbe von Moral und Kulinarik. Der Koch (Wölfi) bereitet hier noch Mensch zu, wenn auch fein abgeschmeckt. Als Häuptling Biberhahn (Uwe Schmieder) zu Gast ist, ist Mensch leider gerade aus. Zum Glück kommt der Europäer Arthur (Ekkehard Freye) gerade vorbei, die Tochter Atala (Julia Schubert) verguckt sich in den adretten Herren, der dann aber irgendwie auf den Teller kommt. (letztlich aber doch nicht, da waren wir aber Bier holen). Ein Stück über die gefühlte Überlegenheit des Westens, über die Durchmoralisierung des Lebens, Feminismus und und und. Durch die Zeche im Hintergrund könnte man es gar als Stück über das wilde Ruhrgebiet verstehen, das ja auch gern mal aus den ebenso schnieken wie hippen Städtchen wie München, Hamburg oder Berlin etwas herablassend belächelt wird.

Was den Abend im Besonderen so schön macht, ist die erfrischende Selbstironie aller Beteiligten. Da werden die Kassierer als Mallorca Punks beleidigt oder festgestellt, dass das Theaterpublikum doch eh nur wegen den Kassierer da ist. Gejohle im Publikum, hinter uns zischt ein Hansa.

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Umso merkwürdiger ist dann die Kritik, dass das Ganze letztlich skandalfrei über die Bühne geht, während zurecht festgestellt wird, dass Wölfis Penis außer auf ein paar Abifeiern doch eigentlich für kaum jemanden jemals ein großer Skandal war.

Wer sich statt frei von Klamotten frei von einer niemals geschürten Skandalerwartung macht, wird mit geliebten Songs im angemessenen Ambiente, flotten Dialogen, viel Humor und (wer mag) Gedanken zum Weiterdenken belohnt. Und auch das Bierchen konnte man im Verlauf des kurzweiligen Abends noch trinken. Auch hier, weder Skandal noch Provokation, sondern einfach viel Witz als Opener der Punkoper.

Termine: 21.2., 6.3., 29.3., 10.4., 26.4., 9.5., 24.5.2015

imageIm bequemen Monatsrythmus dürfen wir weiter lesen: Freitag geht es auf Einladung von Maks von RilRec wieder nach Essen, zum dritten mal bereits nach New Lifeshark 2013 und der Freak Show 2014. Zusammen mit Tomboy&His Lonely Heart lesen wir in der Veganisierbar in Essen Frohnhausen, d.h. wir lesen, er wird auf der Gitarre Ruhr- und Deutschpunk-Klassiker spielen. Das wird toll und kostet auch nur 4 Euro. Der Appetik kann mit veganer Gulaschsuppe gestillt werden.

Und weil es so toll wird, macht RilRec direkt ne Reihe draus:

Fr. 06.03.“Matt Greasejar und DU lesen aus den Werken Maks Rilrecowskis (Moderne, 2014)“. Eintritt 0/3 Euro
Fr. 24.04. Anni Hilation’s Arms (Ex-Ropey Shags, Ex-Chaos Kitten): Acoustic-Solo-Show, Eintritt tba

IMG_7699Tag 1

So, dann mal unser Senf zum 16. Punk im Pott: Die Reise begann äußerst pünktlich bereits um 15 Uhr am Bochumer Hauptbahnhof, diesmal wieder mit fachkundiger Begleitung durch Mr. Wolverine von Punkrockers Radio. Bewaffnet mit Diktiergerät und Fotoapparat ging´s ab zur Turbinenhalle, wo wir nur ca. eine halbe Stunde in der Schlange standen. Nach Berichten anderer, später angereister Personen, änderte sich das allerdings bald. Die Taschenkontrolle wurde dieses Jahr in die Halle verlegt und war teilweise wohl etwas unterbesetzt, was zu einigem Ärger über verpasste Bands führte. Frühes Erscheinen sei also für´s nächste Jahr schon mal angeraten. Für uns begann das Festival mit den letzten paar Songs von G140. Eine Band, die uns vor allem deshalb interessierte, da Rommel von den Lokalmatadoren hier den Bass bespaßt. Musikalisch spielen sechs Herren und eine Dame eine Mischung aus Ska und Rock, was mich persönlich nicht so anspricht und eher an eine (gute) Partyband erinnert. Die folgenden Missstand verpassten wir genauso wie den Anfang von Radio Havanna. Dafür führten wir tiefgründige Gespräche und nötigten allerlei Leute zu ersten Mini-Jahresabschluss-Interviews. Die Ergebnisse gibt’s am 06.01.2015 ab 20 Uhr in Wolverines Plattenküche auf Punkrockers-radio.de nachzuhören, einschalten lohnt! Musikalisch ging es dann erst mit Chefdenker weiter, die diesmal (zusammen mit dem Bambix-Basser) zu fünft auf der Bühne standen. Richtig so, zwei Bassisten braucht man, besonders wenn der eine (kopflose) Bass so grottenhässlich ist! Bambix ist übrigens auch so eine Band, die mal wieder dringend eingeladen werden sollte. Davon ab, für mich jedenfalls wieder einer der besten Auftritte des Festivals. Gleiches sage ich aber regelmäßig über (wahlweise) Knochenfabrik, Casanovas Schwule Seite oder eben Chefdenker – ohne Claus Lüer Bands geht das nicht. Schön, dass Veranstalter Alex das ähnlich sieht! Anschließend ein weiteres Highlight, die Lokalmatadore! Sänger Fisch ölte sich schon vor dem Auftritt kräftig die Stimme – nein der trinkt doch nichts, der nimmt Sänger-Öl. Gibt´s wirklich, riecht nach Kräutern und ab jetzt wird „Stimme ölen“ für mich nicht mehr nur mit Bier in Verbindung gebracht – wer hätte das gedacht. Ob´s geholfen hat, kann ich musikalisch nicht beurteilen, der Auftritt war aber wie immer sehr souverän und hymnisch wo es hymnisch sein muss. Großartig und schwer zu toppen! Dementsprechend schwer hatte es die Terrorgruppe direkt im Anschluss. Beim sommerlichen Ruhrpott Rodeo war ich schwer begeistert und auch hier ist es ähnlich. Muss ich mir unbedingt auch nochmal in kleinerem Rahmen angucken. Die Songauswahl und die Show, inklusive der Videoprojektion, Pyrozeug und Konfettikanonen war wieder super! Konfetti, hach! :) Letzte bewusst wahrgenommene Band des Abends war dann für mich Knorkator. Vor ein paar Jahren spielten die „Spaß-Metaller“ (ist das richtig, kann man das so sagen?) schon als Vorband der Kassierer in Krefeld. Damals fand ich sie blöd, heute auch. Muss ja nicht alles gefallen. Die Halle war jedenfalls sehr gut gefüllt und die ersten Reihen erschienen mir äußerst textsicher. Von der Antilopen Gang habe ich dann nichts mehr wirklich mitbekommen, und Fliehende Stürme und die Shitlers haben wir uns dann zugunsten des nächsten Tages geknickt. Dafür gab´s auf der Bahnfahrt noch was zu essen und maximal inkompetente Diskussionen über Metal. Schön war´s!

Tag 2

Der nächste Tag beginnt wie jeder zweite Festivaltag und spätestens jetzt freue ich mich über das (längst überfällige) Essen auf der Rückfahrt am Vorabend. Konditionsmäßig hält sich das nämlich alles eher in Grenzen und bereits um 12.30 Uhr mache ich mich in reizender Begleitung auf zur nächsten Runde. Kaum in der Halle angekommen, und wegen einiger Änderungen der Running Order auch schon fast das gesamte Set von Rasender Stillstand verpasst, fällt mir auf, dass die Speicherkarte der Kamera sicher zuhause im Kartenslot schlummert. Mist. Beim darauf folgenden Facebook-Posting, ob denn jemand zufällig noch zum PiP fährt und mir eine Karte leihen könnte, schreibt mir mein Mobilfunk Anbieter, dass mein „Surfvolumen für diesen Monat aufgebraucht“ sei. Fantastisch, die Technik war gegen mich. Dank Auto und einsatzfreudiger Begleitung, fand die Karte eine Stunde später dann zum Glück doch noch den Weg in die Kamera, vielen Dank dafür!! :) Die folgenden No Exit gehören zu den Bands, die es schon ziemlich lange (in diesem Fall seit 1991) gibt, die aber immer völlig an mir vorbei rauschten. Der Auftritt war sicherlich solide, riss mich aber in keiner Weise mit. Vielleicht war dies auch der immer noch recht frühen Tageszeit geschuldet. Ein Mini-Interview mit dem sehr netten Basser gibt´s jedenfalls am 06.01. zu hören. Die nächste Band Total Chaos steckte wohl irgendwo auf einer Autobahn fest und konnte den Auftritt nicht wahrnehmen. Was für ein Glück, nicht weil ich Total Chaos nicht mögen würde (ich kenne ja auch nur zwei Songs), sondern weil als Ersatz Schmeisig die Bühne betraten. Auch diese fallen in die eben erwähnte Kategorie von Bands, die man zwar vom Namen her kennt, aber nie wirklich gehört oder gesehen hat. Zumindest beim Punk im Pott und dem Ruhrpott Rodeo schiebe ich das einfach mal auf die Spielzeiten. Meistens (wie auch heute) machen Schmeisig den Opener (11.30 Uhr). Völlig unmögliche Zeit, besonders am zweiten Tag. Meine Güte, was habe ich da verpasst. Die Akustik-Punk-Cover-Sonstwas Mischung ist ja sowas von genial! Mag auch daran liegen, dass u.a. mit Quadrat im Kreis, eines meiner liebsten WIZO Stücke gecovert wurde, aber was hier abging toppt für mich das Festivaljahr! Sogar die Security im Graben tanzte mit. Mein persönlicher Headliner! Dieses Mal dann auch zum ersten Mal bewusst gesehen und gehört: Fahnenflucht. Seit Jahren hängen mir einige Freunde in den Ohren, Fahnenflucht seien ja so gut … und ja, stimmt. Guter Punkrock, gute Texte, das gefällt durchaus. Anschließend dann COR, die zwar (finde ich) in kleinerem Rahmen besser funktionieren, aber auch hier durch engagierte Ansagen und ordentlich Lärm gut ankamen. Lockerer wurde es dann im Anschluss bei den Abstürzenden Brieftauben, die wieder zu zweit auf der Bühne standen. Hier gab es ja im letzten Jahr einige Diskussionen, ob die Reunion ohne Konrad funktionieren würde. Scheinbar ja, eine erfolgreiche Tour wurde gerade absolviert und auch die Turbinenhalle war letztes wie auch dieses Jahr gut gefüllt mit textsicheren, tanzenden Menschen. Fun-Punk ist und bleibt zwar nicht mein Ding, aber was hier geboten wurde war schon wirklich schön anzusehen/-hören. Ähnliches gilt für Pöbel & Gesocks. Ab einem gewissen Pegel kann man der Band eine außerordentliche Partyeignung inklusive passender Showeinlagen nicht absprechen. Pöbel und Gesocks- Oi Oi Oi funktioniert live einfach super – besonders beim Punk im Pott. Wohl als Kontrast kam dann anschließend Götz Widmann auf die Bühne, es wurde ruhiger und für mich auch etwas belanglos (ja ich weiß – „wie kannst du nur, du hast ja keine Ahnung…“). Stimmt. Fuckin´ Faces kamen als nächste, seit ca. 6 Jahren nicht mehr gesehen, haben Spaß gemacht. Richtig gehaltvoll wurde es dann wieder mit den Kassierern, die den diesjährigen Headliner darstellten, jedenfalls für uns. Gewohnt gute Show, die mich allerdings zugegebenermaßen nicht mehr so fasziniert wie noch vor ein paar Jahren. Zu feiern gab´s übrigens auch was. Die Kassierer wurden vor ein paar Wochen mit dem „goldenen Umberto“ der ProSieben Show Circus Halli Galli ausgezeichnet – für ihr Lebenswerk. Mehr als verdient!

Da Bilder bekanntlich mehr erzählen als tausend Worte, zum Abschluss noch ein bisschen Buntes. Noch mehr und bessere Bilder gibt es auch wieder wie gewohnt beim Punkrock-Sekretär, guckt mal rein!

Bis zum nächsten Jahr und allen einen guten Rutsch! :)

 

 

Volker Kampfgarten

Ein tiefenentspannter Volker Kampfgarten

Wer sich nächsten Mittwoch (17.12.) zufällig in Bochum rumtreibt, sollte doch so um 20 Uhr in die Goldkante kommen. Da gibt´s eine spitzen Lesung über Punk und das Ruhrgebiet mit einer ebenso spitzen musikalischen Begleitung durch Volker Kampfgarten von den Kassierern. Wer sich hingegen am Mittwoch nicht zufällig in Bochum rumtreibt, sollte dies jetzt unbedingt überdenken und vielleicht völlig unzufällig zu der Lesung kommen, wird gut! :) Da der Laden recht klein ist und die Sitzplätze begrenzt, haben unsere Freunde von Punkrockers Radio jetzt eine Mail-Anmeldung geschaltet. Falls ihr sicher wisst, dass ihr vorbei kommen und einen Platz reservieren wollt, schickt einfach eine Mail an schmackes@punkrockers-radio.de. Ihr bekommt dann entweder eine Bestätigung und habt euren Platz sicher, oder ihr bekommt eine Absage (falls es schon zu voll sein sollte). Dann könnt ihr aber immer noch einfach so vorbei kommen und euer Glück versuchen!

Der Eintritt ist natürlich in jedem Fall frei!