Hier Teil 1 des Nachberichts zum Ruhrpott Rodeo 2017, Teil 2 folgt mit musikalischer und Interviewtechnischer Untermalung am 01.08. ab 19.00 Uhr auf Punkrockers-Radio! Mit dabei: Die Lokalmatadore, Terrorgruppe, Zwakkelmann, Rummelsnuff und die Kassierer. Außerdem gibt´s ein bislang ungesendetes Interview mit Charlie Harper von den UK Subs und einige Mini- Interviews vom letzten Punk im Pott – einschalten lohnt!

Da ist sie wieder, die Vorfreude auf mein Lieblings-Sommer-Festival. Wenn sich auch sonst so einiges ändert, die Vorfreude auf langjährige Begleiter wie Knochenfabrik ,Bad Religion, Slime oder die Lokalmatadore bleibt. Ebenso die Vorfreude auf Sonne, Wiese und Bier. Neu war diesmal die Freude über ein Flipperzelt, welches mit Klassikern wie Terminator 2, Jurassic Park und anderen aufwartete. Ein Spiel geschmeidige 50 Cent – super! Die gleichsam bescheuerte wie unvermeidbare Frage danach, ob dies noch Punkrock sei, wird hier eindeutig mit „Ist mir doch völlig egal“ beantwortet.Ich find´s klasse. Bitte beibehalten! IMG_1039Aber der Reihe nach:

Freitag 19.00 Uhr. Nach Ankunft erstmal Wertmarken. Flüssigkeitszufuhr muss sichergestellt sein. Erste Band spielte auch schon, Zwakkelmann mit Iro und Orchesteruntermalung. Gut, Headliner gesehen, könnte man ja eigentlich wieder gehen, sind wir aber nicht. In den letzten Zwakkelmann Song grätschten dann auch schon ZSK hinein. Routinierte Show mit Sitzpogo und Rauchbomben. Danach dann DOA – super!  Kanadas erste Punkband rockt mit drei betagten Herren ordentlich und zeigt, dass guter Punkrock immer noch wenig mehr braucht, als Gitarre, Bass und Schlagzeug – ne rotzige Stimme natürlich noch, perfekt besetzt mit Joey Shithead. Danach eine kurze Pause, im Backstage einige spontane Interviews machen, aka Blödsinn auf Band bannen, und dabei Ignite verpassen.IMG_1047 Da ich persönlich nur ein Album kenne und schätze war das aber nicht ganz so schlimm. Das, was an Sound herüber schwappte war auf jeden Fall ordentlich. Rantanplan wurde ebenso souverän verpasst, bevor dann die Kassierer die Bühne bekrochen. Für mich ein eher enttäuschender Auftritt der mächtigen Band aus Wattenscheid. Dies lag besonders an Sänger Wölfi, der auf mich lustloser denn je wirkte. Dies kann allerdings auch gut am lädierten Bein gelegen haben, mit Krücken, beziehungsweise beinahe permanent sitzend auf der Bühne ist sicher kein Spaß, allein dafür schon mal Respekt! Der Stimmung im Publikum tat es darüber hinaus keinen Abbruch, also alles in allem – solide.IMG_1084 Swiss und die Andern wurden zur Bier- und besonders zur Flipperpause genutzt, um dann mit dem Herrn Doktor und Vasallen, Bad Religion, den Headliner des Abends zu feiern. Diesmal wieder super, alle Hits dabei, inklusive Ohrwurm bis zum nächsten Tag – klasse! Danach dann schnelle Rückfahrt mit zuvor spannender Autosuche in Reihe 10. Oder war es 11? Die 15 minütige Diskussion um den Parkplatz war jedenfalls super! :)

IMG_1139Der zweite Tag begann dann musikalisch mit den letzten 2,3 Songs von Yellow Cap, was zumindest meiner Toleranz von Ska Songs am Stück sehr entgegen kommt. Für die Dauer von drei Songs ist sowas wirklich gut. In eine komplett andere Richtung gingen dann Rawside die ordentlichen Hardcore-Punk zum Besten gaben. Besonders der Drummer (wenn ich mich nicht irre der Spross des Sängers?!) beherrscht sein Handwerk außerordentlich gut und selbst der doch recht  häufige Einsatz von Doublebass passt hier sehr gut. Reno Divorce regten im Anschluss eher zu Diskussionen rund um die Überschätzheit von Social Distortion und die relative Belanglosigkeit von Motörhead an. Ja, du liest richtig. Ist halt so. Live ganz nett, aber nichts was ich mir sonst anhören würde. Ähnlich verhielt es sich mit den Fleshtones die wir uns auf besonderes, geradezu begeistertes Anraten von Fisch (Lokalmatadore) anguckten. Tatsächlich war das live schon cool. Augenscheinlich alle 60+, sehr agil, solider 60s Garage-Rock-whatever und dann auch noch mit Mundharmonika, ein viel zu lang beinahe in Vergessenheit geratenes Instrument! Hatte schon was, jedenfalls live. IMG_1353Danach dann Fehlfarben, vorher nie gehört, nachher vermutlich auch nicht. Einfach nicht meins, aber hätten nicht 500 Leute ihre Smartphones in die Luft gehalten, hätte man sich fast wie in den 80ern fühlen können. Danach die für mich überraschendste Band des Festivals – Rummelsnuff. Schon abgefahren, muss ich nochmal rein hören oder besser nochmal irgendwo live sehen, ich bin mir nämlich nicht sicher was das eigentlich war. Ein bisschen Gequatsche mit Maat Asbach gibt´s am 01.08. dann ab 19 Uhr bei Punkrockers Radio zu hören. Den Anschluss machten dann die Bouncing Souls und Venerea, beides nicht lange gesehen, nur mal kurz reingehört und Fotos gemacht.IMG_1406 Wohlbekannte Klänge läuteten dann das das finale Triumvirat aus Slime, Lokalmatadoren und Cock Sparrer ein. Slime haben mir live beim letzten Mal nicht mehr so gut gefallen wie noch vor einigen Jahren, was wohl an den relativ vielen neuen Songs lag. Mittlerweile kenne und schätze ich diese aber durchaus, so dass diesmal wieder alles gepasst hat. Alle wichtigen Songs dabei, einige neue(re) Sachen dazu – gut wars! Danach die Lokalmatadore, zu denen ich einst schrieb „[…] die Lokalmatadore rocken mehr!“ und das trifft es auch immer noch sehr gut. Mittlerweile meine Lieblinge der oft beschworenen „Heiligen Dreifaltigkeit des Ruhrpott-Punk“, die gehen echt immer! Das Publikum schien gleicher Meinung zu sein. Die gnadenlose Uhr machte dem hitzigen Treiben auf und vor der Bühne dann allerdings ein abruptes Ende. Die „Viva Lokalmatadooor“ Chöre rissen allerdings nicht ab und selbst nach den ersten Cock Sparrer Songs fanden sich noch einige Fans vor der Bühne ein und kuschelten mit Sänger Fisch.IMG_1513 Cock Sparrer gaben dann den Abschluss und auch hier kann ich mich nur wiederholen, unglaublich was die Herren auf der Bühne abliefern. Fand ich 2009 schon überraschend gut und auch diesmal stimmte für mich alles – würdiger Headliner. Der anfangs erträgliche Regen hatte sich derweil in Sturzbäche verwandelt, so dass wir nach dem Konzert entsprechend schnell den Rückweg antraten. Für mich war es dann auch schon wieder vorbei mit Festival, Sonntag konnte ich leider nicht hin. Der zweite Teil unserer Reisegruppe verdrückte am dritten Tag dann noch einige Softdrinks zu Samiam, Snuff, Terrorgruppe, Irie Revoltés und Peter And The Test Tube Babies. Auch ein höchst professionelles Interview mit der Terrorgruppe ist dabei rausgesprungen und auch das gibt es, wie schon gesagt, am 01.08. bei Punkrockers Radio zu hören!

Kommen wir zum Abschluss zu den diesjährigen Gewinnern:

1. Eine äußerst nette Reisegruppe und Festivalbegleitung, 2. Bad Religion als Headlinder, 3. das neue Flipperzelt als Zeitvertreib und günstige Zeitreise in Kindertage und 4. die neue Aufteilung des Infield. Irgendwie gemütlicher, kleiner und kommunikativer als bisher, sehr schön! Lobend zu erwähnen ist auch die neue Lösung des Soundchecks der Hauptbühne. Diesmal ist mir nur einmal aufgefallen, dass die große Bühne bereits bespielt wurde bevor die Band auf der kleineren Bühne fertig war. Super Sache!

Danke wie immer an Alex, die wiedermal tanzende Security und alle weiteren HelferInnen, HändlerInnen und FreßbudenmacherInnen! Auf bald!IMG_1375

26. Mai 2017 · Kommentieren · Kategorien: Gehört

Paranoya-270x270Woran erkennt man eine Band, die es ernst meint? Daran, dass sie auch im Jahr 2017 noch tapfer ihre Myspace-Seite pflegt. So ist es bei Paranoya aus Hamm, womit wir nebenbei auch herausgefunden hätten, dass Myspace noch gar nicht abgeschaltet wurde und deutlich schneller lädt als anno 2000 oder wann das gerade angesagt war. Zudem betreiben sie weder Instagram noch Snapchat, das ist auch noch Haltung!

Nun denn: Von Paranoya gibt es nach dem gelungenen Fragmente-Album eine neue 7‘, zwei Songs, einer A, einer B, das Ding gibt es nämlich physisch nur auf Vinyl. Aufgenommen wurden die Songs aber schon 2014, sind also vermutlich während der Fragmente Aufnahmen mit entstanden und werden nun nachgeschoben.

Textlich ist alles beim Alten: Politisches und Gesellschaftskritisches wird auf der persönlichen Ebene verhandelt. In „Dämonen“ geht es darum, dass etwas in einem selbst über einen selbst Besitz erlangt. Wären es nicht „meine Dämonen“ könnte man dem auch eine gesellschaftliche Interpretation abringen, bei allem, was neuerdings gesellschaftlich wieder aus den Löchern gekrochen kommt. Aber das sind sicher nicht unsere Dämonen. In „End//lich“ ist das Gesellschaftliche dann wieder stärker Thema: Gefühle, Wünsche, Ziele, wird alles kaum entwickelt bevor man ganz schnell gar nicht mehr ist.

Musikalisch hat sich wiederum sehr viel getan: Paranoyas Grundstil ist ja so eine Art Deutsch-Punk mit so einer Metal-Härte. In diesen beiden Tracks gehen sie mal ganz andere Wege, Dämonen groovt düster und ein bisschen bedrohlich vor sich hin, was insgesamt gut zum Text passt. Das textlich ja auch nicht gerade fröhliche „End//lich“ hat einen wie ich finde ganz lustigen Gitarren-Sound, wodurch alles auch irgendwie gar nicht mehr so schlimm klingt. Muss ich beim Gesang manchmal an die frühen Blumfeld denken? Um es heraus zu finden, müsste ich mal wieder die frühen Blumfeld hören, aber das möchte ich nicht. Deshalb zurück zu Paranoya:

Ich mag es ja überhaupt nicht, wenn eine Band sich immer „weiter entwickelt“ haben muss, nur weil sie mal anders klingt: Ich mag die beiden Tracks jedenfalls, weil sie den klassischen Paranoya-Sound ordentlich auffrischen.

https://myspace.com/paranoyahamm

ueberfluessigJoscha (aus Herne) und Makke (aus Haltern) sind Überflüssig. Über Joschas Label Röhlinghausen Records vertreiben Sie nicht nur die eigenen Platten, sondern immer mal wieder auch nette Vinyl-Sampler. Wir haben der (mit anderen) kleinsten Band der Welt unsere vier Fragen gestellt.

1. Wie bist du zum Punk gekommen?

JOSCHA : 1988 (im zarten Alter von 10 Jahren) hörte ich auf einer Gartenparty Songs aus den Alben „Nach uns die Sintflut“ (Die Ärzte), „Bis zum bitteren Ende“ (Die Toten Hosen) und auch aus dem „Kiss“-Alive II Album. Ab da ging dann mein Musikgeschmack in die Gitarren und Krachrichtung. 1989 kam ich dann (durch die Bravo) zu den ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN. Mit denen dann zu Slime, Goldene Zitronen u.s.w.

MAKKE : Mein Bruder war schon immer großer Ärzte Fan und hat mich damit angesteckt. Mir gefiel die Musik super. Ich habe mir viele andere Bands angehört und bekam immer mehr Lust Punkrock nicht nur zu hören sondern selbst mit zu trommeln.

2. Hat das Ruhrgebiet eine bestimmte Bedeutung für dich?

JOSCHA : Zum einen bin ich in Herne geboren und lebe aktuell noch hier. Zum anderen gibt es hier immernoch sehr viele grüne Flächen und ist auch Naturnah und hat immer eine Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag. Die Cranger Kirmes im Sommer ist natürlich auch ein Highlight.

MAKKE : Ich bin am Rande des Ruhrgebiets aufgewachsen und verbinde damit meine Heimat.

3. Verbindet Punk und Ruhrgebiet irgendetwas?

JOSCHA : Ja, denn sehr viele Bands aus dem Punk,New-Wave und Metal Bereich kommen von hier. Die Kassierer (Bochum),Extrabreit (Hagen),The Idiots (Dortmund),Schliessmuskeln (Harminkeln),Kreator (Essen/Gelsenkirchen),Lokalmatadore (Mülheim an der Ruhr). Ausserdem gibt es hier sehr viele coole Läden für kleine bis mittlere Konzerte ; Rattenloch (Schwerte) , FZW (Dortmund) Juz Heisterkamp (Herne-Wanne), Zeche-Bochum.

Früher gab es auch richtig geile Punk-Plattenläden wie z.B. Dirty Faces (Bochum) oder New-Life-Shark aus Essen.Last chance aus Dortmund u.s.w. Also doch, hier ist schon ne ganze Menge passiert. Natürlich brauch ich ja auch garnicht das Ruhrgebiets-Menü „Currywurst,Pommes, Mayo“ erwähnen. Vieles habe ich von hier aus mit dem Zug bereist :-) „ÜBERFLÜSSIG“ kommen ja auch aus Herne und sind schon (oh je) über 20 Jahre unterwegs.

MAKKE : Im Ruhrgebiet gibt’s die geilsten punkfestivals an denen ich gute Erinnerungen habe.

4. Was ist für dich der “punkigste” Ort im Ruhrgebiet?

JOSCHA : Früher war das ganz klar „Bochum“ im Bermuda-Dreieck. Dort waren an den Wochenenden immer Punks aus den ganzen angrenzenden Städten anzutreffen. Mit Mukke aus der Konzerve oder einer Gitarre zum mitgröhlen..war echt schon GEIL…

MAKKE : Definitiv mein Keller im Elternhaus, der damals nicht nur zum Proben benutzt wurde, sondern auch für viele Punkige Partys.
www.petersoma.de

www.facebook.com/funpunkausherne

tdtwLetztes Jahr feierte das Too Drunk To Watch Filmfestival in Bochum eine wunderschöne Premiere. In der gemütlichen Atmosphäre des Neuland bei bestens gekühltem Schlegel gab es eine bunte Mischung von Punk auf der Leinwand zu sehen. Vom 28. bis 30.10. geht das Festival in die zweite Runde, unter anderem mit viel regionalem und der Deutschland-Premiere der NofX-Doku „A Fat Wreck“. Vorab haben wir mit Organisator Stefan geplaudert, dessen Gitarrenkünste übrigens am Sonntag in einem Film zu sehen sein werden.

Too drunk to watch geht in die zweite Runde. Wie hast du die erste Runde erlebt und musstest du lange überlegen, weiter zu machen?

Die Premiere im letzten Jahr war ziemlich cool. Ich hatte ja keine Ahnung, ob sowas funktioniert, aber es kamen tatsächlich an allen Abenden Leute und hatten Spaß. „Brennende Langeweile“ haben sich dann am letzten Abend fast 50 Leute angeschaut und wer den Raum im Neuland kennt, weiß, dass mehr gar nicht geht. Auch das anschließende Konzert mit TV Smith in der Trompete war gut besucht und ein ziemlich runder Abschluss des Festivals. Insofern musste ich nicht lange überlegen und es war eigentlich schon da klar, dass ich es dieses Jahr wieder machen werde.

stefan

Stefan trinkt gern Bier

Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, kommen ja viele Filme aus Berlin aus dem Programm des dortigen Too drunk to watch. Aber woher hast du zum Beispiel die Doku über das Heusner Viertel in Bochum?

Diesmal ist eigentlich gar kein Film der Berliner dabei. Das hat sich irgendwie so ergeben. Das Heusnerviertel war ja Anfang der Achtziger hier in Bochum ein besetztes Wohnviertel mit mehreren Straßenzügen. Das wurde dann wegen der Stadtautobahn abgerissen und heute steht nur nach das Thealozzi. Ich kenne das noch von damals und vor einigen Jahren habe ich mal bei Google danach gesucht und diesen Film gefunden. Jetzt läuft er beim Festival und ich hoffe, dass viele Bochumer kommen, um sich „Tanz auf dem Vulkan“ anzuschauen.

Insgesamt finde ich das Programm wieder sehr ausgewogen von regional bis international, von informativ bis vollkommen uninformativ aber sehr unterhaltsam wie bei Verlierer. Was ist dir wichtig bei der Zusammenstellung und worauf freust du dich am meisten?

Die Ausgewogenheit ist sicherlich ein Aspekt, aber letztlich ist auch das Angebot recht überschaubar. Der Eintritt läuft gegen Spende, der Platz ist begrenzt, da ist dann natürlich das Budget minimal, so dass ich Filme für die Leihgebühren anfallen, im Grunde kaum möglich sind. Ich freue mich eigentlich auf alle Filme, aber meine persönlichen Highlights sind „Tanz auf dem Vulkan“, die Deutschlandpremiere von „A Fat Wreck“ und dass am Sonntag Volker „Kampfgarten“ Wendland mit seiner Gitarre vorbei kommt und ein paar Lieder spielen wird.

Kosten 3D, HFR und Dolby Digital extra oder ist das in der Hutspende bereits enthalten?

Punk muss ja immer auch einen Gegenpol darstellen und deshalb wird beim Festival auf hochmodernen Technik Schnickschnack verzichtet. Bei den empfohlenen drei EUR, die Besucherinnen und Besucher in den Hut schmeissen sollten, bleibt dann sicherlich noch Geld übrig für ein leckeres Schlegel im Neuland, wo man übrigens auch ziemlich gut Essen kann.

Du machst Punk als Radiosendung ,zeigst Punk auf der Leinwand, in der Ramoetry hast du Ramones Texte als Lyrik lesen lassen oder veranstaltest Lesungen zum Thema Punk. Juckt es dich nicht manchmal einfach mal ein Konzert zu organisieren oder hast du schon andere Ideen für ein Punk Crossover?

Ein Konzert werde ich 2017 auf jeden Fall veranstalten, denn da wird Punkrockers-Radio 15 Jahre alt und das muss natürlich entsprechend gefeiert werden. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir das, wie zum 10-jährigen, wieder in der Rotunde hier in Bochum machen können. Die öffnet ja glücklicherweise wieder ihre Pforten. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest. Andere Pläne gibt es noch nicht, aber mit Radio, Ramoetry und Filmfest bin ich auch reichlich ausgelastet. Ich gehe aber davon aus, dass mir früher oder später wieder irgendwas einfällt und dann mache ich es halt. Das ist ja auch nach 40 Jahren immer noch die Idee von Punk. Kein Plan haben, aber trotzdem machen.

28.-30.10. Too Drunk To Watch, Neuland, Bochum

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FREITAG
20:00 Tanz Auf Dem Vulkan
Eine Dokumentation über das einst besetzte Heusnerviertel in Bochum

21:30 Mia san dageng
Punk in München
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SAMSTAG
20:00 Oiro Kneipentour
Elf Konzerte in und vor elf Kneipen an einem Tag

20:30 Wo die Zitronen blühen
Kurzfilm der Band Oiro

21:15 A Fat Wreck
Deutschlandpremiere der Doku über das legendäre Label von NOFX-Sänger Fat Mike
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SONNTAG
18:30 Volker „Kampfgarten“ Wendland
Live und akustisch

19:30 Drei kurze Filme über die Kassierer

20:15 Verlierer
Der Kultfilm aus den 80ern mit Campino und Ralf Richter

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MONTAG
Abschlußparty mit MALASAÑERS und Dørn Shamrock ab 21 Uhr, Die Trompete

Hinweis: Einen musikalischen Rückblick auf das Rodeo, mitsamt einigen Stimmen von diesem Jahr, gibt´s demnächst auf Punkrockers Radio.de! Genauer Termin folgt hier und auf Facebook! 😉

IMG_8160Das war mal wieder ein Fest!

Nach drei Tagen braucht man dann zwar nochmal drei Tage Urlaub, aber das ist es wert! Schon das Lineup las sich im Vorfeld der zehnten Jubiläumsausgabe des Ruhrpott Rodeos angemessen. NOFX, Flag, Talco, UK Subs, CJ Ramone, Lagwagon, Adolescents, Descendents, Sondaschule, Eisenpimmel, Zwakkelmann und und und. Ganz schön viel zu tun, Prioritäten setzen war angesagt. Eine Priorität war es, zumindest am Freitag schon pünktlich am Gelände zu sein, um das PIY Punkrock Karaoke schon mitzubekommen. Das hat, nach unterhaltsamer Bahnfahrt mit netten Leuten (Schöne Grüße in die Schweiz! :) ), auch ganz gut geklappt. Gute Songauswahl diesmal und sogar einige durchaus talentierte SängerInnen auf der Bühne, schöne Sache zur Eröffnung! Weiter ging´s mit Bonsai Kitten, nett. Buster Shuffle waren ziemlich öde, also eine gute Gelegenheit mal ein paar Leute zu treffen, zu quatschen und zu trinken. The Baboon Show waren im Anschluss daran allerdings ziemlich cool, da werde ich wohl nochmal genauer reinhören. Zwakkelmann als Opener auf der kleineren Rodeo IMG_7206Bühne war gewohnt großartig, was hier allerdings störte war (wie leider oft) der Soundcheck der größeren Ruhrpott Bühne. Ganz ehrlich, meiner Meinung nach könnte man einige Bands zwischen 12.30 Uhr und 14 Uhr streichen und das Programm etwas entzerren, um vernünftige Umbau Pausen einbauen zu können. Das Gebolze der Hauptbühne hat wirklich einige Auftritte auf der kleinen Bühne äußerst anstrengend gemacht. Naja, egal. Jello Biafra und seine Medizin Schule habe ich jetzt zum dritten (?) Mal gesehen und werde einfach nicht warm damit. Klar, die Kennedys Songs sind super, an Jello als Person und Sänger gibt´s auch keinen Zweifel, aber irgendwie zündet die Musik bei mir einfach nicht. Furchtbar belanglos das alles. Darüber hinaus konnten die wesentlich grandioseren Knochenfabrik im Anschluss mindestens einen Song nicht spielen, da Jello´s Ansprache zu Donald Trump doch etwas langgezogen war. Verständlich, auch wenn ich mich zeitweise in die 2000er Jahre zurückversetzt fühlte, als gefühlt jede US-Band mindestens einen Song oder eine Ansage gegen George Bush brachte. Aber wie gesagt verständlich, ist ja auch ein Arschloch. Jello´s Neuinterpretation „Nazi Trumps Fuck Off!“ setzte dem Ganzen dann einen passenden Schlusspunkt. Dritte Wahl machten beim einsetzenden Sonnenuntergang dann wieder richtig Spaß und auch Veranstalter Alex ließ sich auf der Bühne sehen und surfte anschließend, Gutscheine verteilend, auf einer Matratze durch das Publikum. Couchsurfing mal anders. 😉 Zu fortgeschrittener Stunde lockten mich dann die Klänge von „Rebel Yell“ nochmal an die kleine Bühne und ich könnte IMG_8010schwören, ich hab den echten Billy Idol auf der Bühne gesehen, coole Sache diese Idolized. Suicidal Tendencies und Adolescents (angekündigt als Kids Of The Black Hole) verpasste ich zugunsten von Quatschen, Trinken, Leute treffen – Socializing wie man so sagt. Headliner des Abends waren dann WIZO. Das letzte Mal, dass ich WIZO live sah, war die Reunion Show auf dem Rodeo 2010. Damals war ich ziemlich enttäuscht und kam mir schrecklich alt vor, da das alles nicht so recht zünden wollte. Diesmal ging ich also mit geringer Erwartungshaltung an die Sache ran und wurde positiv überrascht. Die Setlist war gut gefüllt, die Hits aus meiner Jugend wurden gespielt und nur etwa 3-4 neue Songs gebracht. So kann man das machen! Entsprechend voll war es auch vor der Bühne, was der Stimmung darüber hinaus sehr zuträglich war. Der mittlerweile gesteigerte Alkoholpegel (fast) aller Anwesenden mag ein weiterer Grund gewesen sein. Apropos Alkohol, einige Schnapsleichen gibt´s ja immer, aber im Großen und Ganzen kann man die meisten Feiernden doch als „professionelle Trinker“ bezeichnen – im positiven Sinne natürlich. Denn mit wenigen Ausnahmen konnten alle gut mit der Menge Alkohol umgehen die sie so intus hatten. Außerdem führt dies ja auch manchmal zu ganz unerwarteten, aber doch irgendwie witzigen Begebenheiten. So wie Freitag etwa, als ich etwas betrunken nach dem WIZO Auftritt mit zwei weiteren Betrunkenen ins Gespräch kam. Wir tauschten ein paar Sätze aus und ich fragte, woher sie denn kämen und was sie so vom WIZO Konzert hielten. Meiner getrübten Ansicht nach drückte ich mich dabei natürlich sehr verständlich und äußerst eloquent aus. Nach einigen verwirrten Blicken und eher verhaltenen Antworten fragten sie mich (auf bestem Schulenglisch), ob ich aus England stamme oder aus welchem Land ich denn eigentlich ursprünglich käme. Meine Aussprache schien also doch eher undeutlich und lallend, anstatt verständlich und eloquent gewesen zu sein. Verwirrt behauptete ich, dass ich aus Irland stammen würde und der Rest des Gesprächs fand dann auf Englisch, mit eigens in Dublin angeeignetem irischen Akzent, statt. Crazy, indeed.IMG_8201

Der Samstag begann entsprechend spät und verkatert eigentlich erst mit dem grandiosen El Fisch, der, alleine mit Gitarre, dem Soundcheck der Hauptbühne trotzte. Die Ansage in selbige Richtung „Schnauze da drüben!“ dürfte nicht nur mir aus dem Herzen gesprochen haben. Der restliche Abend plätscherte musikalisch so vor sich hin, was der (für mich) eher uninteressanten Bandauswahl geschuldet war. The Locos haben darüber hinaus abgesagt, so dass Schmutzki einsprangen. Kannte ich nicht, außer von der Promo für ihren Campingplatz Auftritt, überzeugte mich aber auch in keiner Weise. Muss ja auch nicht. Lagwagon waren für mich schon immer irgendwie eine der uninteressanteren Bands aus der „Kalifornien Connection“, dementsprechend belanglos war auch der Auftritt. Sicherlich wurde hier nichts falsch gemacht, öde war es aber trotzdem. Überraschend gut waren dann Irie Revoltés, die zumindest für ein paar Songs richtig Laune machten, was besonders nach den eher schwachen Lagwagon wirklich nötig war. Nach ein paar Songs von den Fucking Faces war die Kondition dann aber schon wieder am Ende, so dass Turbonegro, The Creepshow und leider auch die Descendents verpasst wurden. Es galt neue Energie für den wesentlich besseren Sonntag zu sammeln!IMG_8661

Los ging es Sonntags dann mit Leftöver Crack, die durchaus gefielen und Swiss & Die Andern, mit denen ich nur kurz was anfangen konnte. Um 16 Uhr spielten dann endlich die legendären UK Subs! Unglaublich was der mittlerweile 72 jährige Charlie Harper da abliefert, authentisch, sympathisch und energiegeladen – großartig, immer wieder! Talco lieferten dann im Anschluss das beste Konzert des Festivals, bei dem selbst die hinteren Reihen tanzten. Ebenfalls super waren The Dwarves, die auch gut zu den darauffolgenden Eisenpimmel passten. Grandios wie immer. Eisenpimmel brachten mit „Huka-tschaka Töff Töff“ und Polonaise dann auch ein bisschen Ballermann nach Hünxe. Warum funktioniert das bei denen bloß immer so gut? Ach ja, zwischendurch spielten auch noch Flag, die auf jeden Fall hundertmal besser waren als Black Flag vor ein paar Jahren. Das sagt aber leider nicht viel. Ähnlich wie bei Lagwagon wurde nichts falsch gemacht, aber trotzdem höre ich mir in Zukunft lieber wieder die Alben an, live brauche ich das wirklich nicht nochmal. Trotzdem schön, sie nochmal gesehen zu haben. Richtig gut war dann im Vergleich wieder mal die Sondaschule, funktioniert live irgendwie immer! Headliner am Sonntag waren dann NOFX, die erwartungsgemäß gut abräumten. (Nicht nur) Live auf jeden Fall immer zu empfehlen! Rausschmeißer war Henry Rollins, der eine seiner Spoken Word Performances ablieferte. Für mich nach dem Tagesprogramm nicht mehr interessant, um 14 Uhr hätte ich mir das durchaus gegeben. Schade eigentlich.IMG_8773

Was bleibt? Für mich definitiv, dass das Ruhrpott Rodeo sich mittlerweile zu dem Sommerfestival überhaupt entwickelt hat. Neben dem immer wieder genialen Lineup ist mir dieses Jahr, wie im Prinzip auch schon alle Jahre vorher, besonders die wirklich ausgezeichnete Stimmung aufgefallen, die man nicht auf jedem Festival findet. Besonders bei den großen dreitägigen Festivals gehen mir einige Leute zu später Stunde mal mehr, mal weniger auf die Nerven. Hier blieb die Stimmung, trotz einer ganzen Menge Alkohol, gut, wenig assig und insgesamt sehr entspannt. Zum Teil ist das sicher auch der entspannten Security zuzurechnen, die ebenfalls wieder nur lobend erwähnt IMG_7916werden kann. Alle Securitykräfte mit denen ich gesprochen habe, waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, etwas, was man äußerst selten findet. Noch seltener sieht man die MitarbeiterInnen im Bühnengraben tanzen, hier hingegen mehrfach. Großartig! Irgendwie macht auch dies das Festival auf eine Art „familiärer“. Dazu trägt auch die entspannte Haltung der meisten Bands bei. Von der 12.30 Uhr Band bis zu den Headlinern konnte man relativ viele zwischen den verschiedenen Plattenständen rumstromern sehen, Fanfotos und Autogramme geben inklusive! Dat is doch kein Punk! Würde Zwakkelmann wohl sagen, macht das Ganze aber nur noch sympathischer, familiärer eben. Was das diesjährige Booking angeht, kann man sicher festhalten, dass es dem zehnten Jubiläums-Rodeo mehr als angemessen war. Auffallend war dabei auch der relativ hohe Frauenanteil auf der Bühne. Schön, das (meiner Meinung nach) relativ ausgeglichene Geschlechterverhältnis im Punkrock auch mal auf der Bühne repräsentiert zu sehen und nicht nur, wie sonst oft, hinter den Kulissen oder vor der Bühne.

So, jetzt ist aber auch mal gut mit Geschreibe. Vielen Dank an Alex und Crew, an Securites, PlattenverkäuferInnen und das restliche Publikum für ein absolut gelungenes Ruhrpott Rodeo 2016! Auf die nächsten Zehn! :)

 

Bochum Total hat ja bekanntlich stets ein dickes Programm. Da wir zudem am Samstag beim parallel stattfindenden Jokers Festival lesen werden, haben wir mal einen kleinen Wegweiser gebastelt, wie man die Tage von Donnerstag 14.7. bis Sonntag 17.7. in Bochum so verbringen kann.

Donnerstag startet um 15 Uhr das Jokers Festival in der Buchhandlung Jokers (Kortumstr. 76). Zepp Oberpichlers (Jimmy Keith, Zepp Strange) liest aus dem Roman „Die Stones sind wir selber“ und hat sicher auch eine Gitarre mit am Start. Später könnten dann Schramme11 (18.15 Heinz Bühne) und vor allem Mr. Irish Bastard (20.45 Heinz-Bühne) angesteuert werden. Off-Stage geht es in der Trompete ab 21 Uhr mit Old Styles Best weiter: Seit 17 Jahren covern bzw. zelebrieren die fünf Jungs aus Bochum und Dortmund nun schon die feinsten Punkrock und Hardcore Hits von Ramones, Misfits, Dead Kennedys, The Damned, Sick Of It All oder Turbonegro.  

Beim Jokers Festival geht es Freitag ab 15 Uhr um Metal im Ruhrgebiet. Holger Schmenk liest aus „Kumpels in Kutten. Heavy Metal im Ruhrgebiet“. Zu Gast ist Klaus Vanscheidt. Ab 17 Uhr ist wieder die Heinz-Bühne einen Besuch wert: Es spielen Astairre und anschließend Radio Havanna. Ab 21 Uhr könnte man sein Glück nochmal auf der coolibri-stage im Riff versuchen. Dort spielen die Los Placebos und ab 22.30 Smile and Burn.

Das ganz dicke Highlight findet natürlich Samstag 16.7. um 15 Uhr bei Jokers statt. Dennis und ich lesen die Perlen aus unserem Buch „Mit Schmackes! Punk im Ruhrgebiet“ und werden unterstützt from the one and only Zwakkelmann from Niederrhein. Das wird einfach nur großartig und irre gemütlich! Danach ist eigentlich alles gesagt und die Messe gelesen oder man geht um 20.45 noch zu Itchy Poopzkid auf der Einslive Bühne. Auch auf der coolibri-Stage läuft mit Lygo (18.30), Stereogold (20.30) und Staatspunkrott (22.30) noch Punkrock. Im Anschluss an das Konzert von Tigerjunge und der Thomas Allan Band gibt es in der Trompete ab ca. 22.30 noch Indie, Punkrock und Garage frisch vom Plattenteller!!

Das Programm für Sonntag ist klar: 20.45 die mächtigen Kassierer auf der Heinz-Bühne.

telemarkinputoutÜber Telemarks Duisburger Bros und Sister von Eisenpimmel wurde in auf der Internetseite von Die Zeit mal dieser bescheuerte Satz geschrieben: „An Eisenpimmel fasziniert mich die (un-)ästhetische Schlüssigkeit„. Über Telemark könnte ich das genaue Gegenteil schreiben: „An Telemark fasziniert mich die ästhetische Schlüssigkeit“.

Das fasziniert umso mehr, weil ein paar Telemarker regelmäßig gezwungen werden, bei Eisenpimmel auszuhelfen, wenn mal ein richtiger Akkord oder Ton gebraucht wird. Ähnlichkeiten zwischen beiden Bands gibt es hingegen bei der Arbeitshaltung, die Telemark auf Informat (2009) in „Keine Lust“ und 2016 in „Gerne morgen“ ausgesprochen explizit zur Schau stellten und die vermutlich ihren Teil zu 7 Jahren zwischen zwei Platten geführt hat. Ebenfalls gemeinsam haben beide eine Vorliebe für schöne deutsche Wörter. Während Eisenpimmel uns seiner Zeit im Interview das Wort „keck“ wieder in Erinnerung riefen, holen Telemark das korrekte „akkurat“ in dem gleichnamigen Song aus der Versenkung. Das finde ich gut!

Telemark liefern jedenfalls jedes mal ein geiles, fett produziertes musikalisches Brett mit Stil und viel viel Witz in den kryptischen Texten ab. Nun also input/out: Mehr Wucht, mehr, Bass, teilweise extrem fett hochgeschraubte Songs. Musikalisch macht der Band keiner was vor. Postpunk, Punk, Noise, Alternative, Indie sind die Eckpunkte, mich hätte nicht gewundert, wenn Kurt Ebelhäuser den einen oder anderen Song produziert hätte. Hat er aber nicht. Insgesamt klingen Telemark deutlich aggressiver, was ihnen ausgesprochen gut steht.

Auch Themen und Stimmung im Ganzen sind ernster geworden ist, ohne Witz sind die Texte aber bei Leibe nicht. Allein so poetische Reime wie

„Lieber ein Bier mit dir,
als ich allein mit mir.“

(aus dem bombastischen „Kaputte Köpfe“) oder

„Ich tu mich etwas schwer,
dem anderen zu erklären,
dass ich ihn nicht mag so sehr.“

(aus dem anschließenden „Wortort“) sind mindestens Literaturpreis Ruhr würdig und lockern die härteren Themen immer wieder auf. Denn Dügida und der gar nicht mal so sanfte Niedergang haben aber Spuren darin hinterlassen. Querverweise zum Leerstand („Jammer Jamma Hey“) oder stetiger Fremdenfeindlichkeit („Schokolade“, „Kopfreiniger“) werden mal mehr, mal weniger stark explizit gezogen, aber nie mit Parolen oder unterkomplexen Theorien ausgelutscht. Ganz im Gegenteil ist vieles eher Zitat des geführten Diskurses auf den Straßen, es ist ja nicht so, dass Telemark den Leerstand schlecht finden, sondern sie tragen den Diskurs der Einkaufsstraße in die Rockmusik:

„Weiter Leerstand, weiter Leerstand
Ob im Hier, ob im Ich und alles so
Jammer Jamma Hey.“

Und so ist input/out so eine Art neubautensche oder kraftwerksche Vertonung Duisburgs auf Aggro. Und so sind Telemark quasi die Schimanski des scharf geschliffenen Postpunk oder eben die ästhetische Version von Eisenpimmel. Hammer Hammer Ey!

Quasi zeitgleich erschien das Debüt der Band Storno mit teilweise überschneidender Besetzung. Die ist auch großartig und wird demnächst auch vorgestellt :-)

Telemark bei bandcamp

Telemark bei Facebook

Astairre_Promo1Unser Bottroper Gastautor André (im Buch mit einem Beitrag über die Upright Citizens) schwärmte immer schon von der Bottrop-grounded Band Astairre in den allerhöchsten Tönen und womöglich wäre sie auch Thema in unserem Buch über Punk im Ruhrgebiet vertreten, wenn sie nicht zwischenzeitlich nach Köln umgesiedelt wäre und mangels Veröffentlichungen seinerzeit nicht auch unbedingt ein aktuelles Thema waren, was ja nun erklärtermaßen ein gewisses Kriterium für unsere Auswahl war. Umso erfreuter stellten wir fest, dass Astairre eine tolle neue EP am Start haben, André gefragt, wo man seine Bottroper Buddys am besten erreicht, Fragen gestellt und von Schlagzeuger Max Antworten zwischen Grugahalle und Muttis Garten bekommen. Unsere Review zur EP gibts oben drauf unten drunter.

1.  Wie bist du zum Punk gekommen?

Max: Das ist ziemlich einfach erzählt: Es war 1995, Grugahalle in Essen, es spielten Die Ärzte als Headliner und WIZO als Vorgruppe. Kurze Zeit später kaufte ich mir die „Herrenhandtasche“ von WIZO und bekam von meinem Stiefbruder ein Tape mit ihren ersten beiden Alben, da war’s um mich geschehen. Die Wildheit, ihre inhaltliche Unangepasstheit und die musikalische Energie, die das transportierte, haben mich direkt angesprochen und fasziniert.

2. Hat das Ruhrgebiet eine bestimmte Bedeutung für dich?

Klar doch! Wenn mein „Heimat“-Begriff irgendwie an einen Raum gebunden ist, dann sicherlich an das Ruhrgebiet. Dort bin ich aufgewachsen, von dort kommen meine ältesten Freunde und auch wir als Band. Die Mentalität und Sprache des Potts liegt uns persönlich nahe: offen, direkt und rau — hart aber herzlich.

3. Verbindet Punk und Ruhrgebiet irgendetwas?

Das Ruhrgebiet hat einige tolle Punkrock-Bands hervor gebracht, wie  die Upright Citizens, Pills Angels und So What?!. Oder, um mal ein aktuelles Beispiel zu nennen: die grandiosen Kaput Krauts, mit Ausnahme ihres neuen Bassisten, stammen auch alle aus dem Ruhrpott. Insofern gab es immer, besonders im Dreieck Essen-Bochum-Dortmund, aber auch in anderen, kleineren Städten, wie beispielsweise Oberhausen durch das Druckluft, eine lebendige Szene.

4. Was ist der punkigste Ort im Ruhrgebiet?

Das hängt natürlich jetzt mal wieder sehr von der vielseitig diskutierten Definition von Punk ab; aber wenn man darunter den Ort versteht, wo Punkrock in seiner sozio-kulturellen Form, auch was das Umfeld anbelangt, am meisten stattfindet, dann ist es wohl das AZ Mülheim. Ansonsten die Terrasse meiner Mutter.

 

Es ist echt irre, also nicht Astairre, sondern wirklich irre: Der Sound von Astairre (nunmehr angesiedelt in Köln) passt wirklich nicht mehr so recht ins Ruhrgebiet. Spielt die Umgebung wirklich so massiv in die Songs hinein oder bilde ich mir das nur ein? Ist das dann eher so Köln-Punk? Jedenfalls ist das ingesamt ein bisschen mehr zum Nachdenken und die Jungs sind auch als Typen sehr viel gepflegter als der gemeine Ruhrpunk. Im Opener „Ich hasse meine Freunde“ knarzt es jedenfalls ordentlich, ich bin nicht gut im Akkorde zählen, aber keine Ahnung, warum der Fö das hier nicht als Punk ansieht. Starker Song! Das gibt aber nicht die Linie für die EP vor, die zum Beispiel in „Cavern Club“ musikalisch auch sehr viel ruhigere Töne anschlägt und über die fünf Songs musikalisch die volle Bandbreite dazwischen ausspielt. Sie verarbeitet inhatlich all das, was einen nachdenklich machen kann, und musikalisch, wie man damit so umgehen kann. Melancholie, Wut und all den feinen Nuancen dazwischen. Mit „Solange wir noch funktionieren“ ist Astairre eine musikalisch sehr schön abwechslungsreiche und inhaltlich nachdenkliche EP gelungen. Dabei klingt die Platte Punk sei Dank nicht überproduziert, so dass auch die ruhigeren Songs eine kernige Proberaumathmospäre ausstrahlen.

Live:

15.7. Bochum Total, Bochum
13.8. Olgas Rock, Oberhausen

 

Astairre bei Facebook

Astairre Feature bei Bierschinken in Bierschinken-Qualität

Letztens bei einigen Bierchen (und einen Gratis-Schnaps) im Intershop fragte sich der Autor dieser Zeilen, warum es eigentlich nie Zwakkelmann-Vinyl gibt, noch mehr: Warum Zwakkelmann-CD so fest mit einander verbunden ist, dass sich Zwakkelmann-Vinyl, Zwakkelmann-MC oder Zwakkelmann-Stream in etwa so anhören wie im Gegenzug zum Beispiel Beatles-CD. Jeder Künstler scheint seinen Ort zu haben, Zwakkelmann ist der CD Typ. Vinyl oder noch schlimmer MC passen freilich zu den Künstlern, die in der Zeit veröffentlichten als man sich eben dieser Technik bediente, und zu den Künstlern, die später diese Medien nutzen, wenn sie wieder angesagt sind und um sich ggf. ein bisschen ein Teil der Angesagtheit abzuschneiden. Zwakkelmann vom Niederrhein muss nichts dergleichen: Zwakkelmann ist Jahrgang CD und Zwakkelmann muss auch niemanden beweisen, dass er angesagt ist. Zwakkelmann ist Zwakkelmann, Zwakkelmann ist Gegenwart und Zwakkelmann ist Niederrhein und somit von jedem Verdacht von Angesagtheit befreit. Zwakkelmann ist CD, gern abgespielt auf einer Kompaktanlage von Aldi-Süd. Und noch viel mehr: Zwakkelmann vereint die besten Eigenschaften einer CD: Beides ist einfach und direkt, erfordert keine besonderen Vorkenntnisse, Beides ist leicht zu lagern (Zwakkelmann findet sich immer ganz am Schluss der Sammlung) und nicht zuletzt taugt beides gelegentlich auch mal als Spiegel. Denn die erzählten Geschichten kennt man dann doch auch von sich selbst in ähnlicher Weise.

Die neue Zwakkelmann-CD heißt „Entschuldigung“ und enthält all das, 16 erdige Schlager-Punkrock-Singer-Songwriter-Stücke in gewohnter Zwakkelmann-Qualität und Einmaligkeit, denn diese musikalische Mischung zu einem eigenen Sound in Verbindung mit diesen persönlich-witzig-schrägen Geschichten kann ich weder genauer beschreiben geschweige denn Vergleichen. Zwakkelmann Supermann eben.

Schlaffke, wieso erscheinen deine Platten eigentlich immer auf CD?

Hmm, obwohl ich mit Vinyl aufgewachsen bin und die Einführung der Compactdisc für meine alte Band Schließmuskel eher negative Auswirkungen hatte, mutierte ich seltsamerweise nie zu einem richtigen Vinyl-Freak. Auch im hohen Alter nicht. Mir gehts vorrangig um die Musik und nicht um den Tonträger. Ich finde CDs auch irgendwie praktischer. Vielleicht, weil ich mittlerweile `ne Kompaktanlage habe, an die man nur schlecht `nen Plattenspieler anschließen kann. Auch hör ich viel Musik über meinen PC, auch wenn das jetzt nicht übermäßig pc (also politically correct) daher kommt. Entschuldigung, ich konnte aus dem Sammeln von Tonträgern nie so richtig `nen Kult machen. Ich hätte aber absolut nichts dagegen, wenn Zwakkelmann auch auf Vinyl erscheinen würde. Nur müsste sich erstmal `n Sponsor finden, denn größtenteils ist das `ne Geldfrage. Zumal man in der heutigen Zeit, wenn man es auf einem so erbärmlichen Level wie ich betreibt, an Tonträger-Produktionen eigentlich nur Miese macht.

Jetzt wo du deine Geliebte Z (für Zigarette) aus deinem Leben verbannt hast, müsstest du dich dann nicht eigentlich Wakkelmann nennen?

Ich brauchte einen Moment, bis ich`s kapierte. Ha, ha, ha, ich will mein Z zurück!

Du schreibst ja sehr regelmäßig sehr viele Songs. Diesmal sind es glaube ich 16 geworden. Woher weißt du wann ein Song gut genug ist? Ist das so eine „is egal, ich lass das jetzt einfach so“ Haltung oder ist es dieser berühmte oha Moment?

Ich glaub, man hat direkt im Gefühl, ob ein Song wirklich stark ist, den man gerade geschrieben hat. Aber manchmal können Lieder auch wachsen. Zum Beispiel kommt es drauf an, wie man sie im Endeffekt spielt. Ich probiere da schon viel rum. Teste die Stücke in verschiedenen Tonlagen an oder arrangiere mit meiner Bigband im Proberaum rum. Auch an den Texten feile ich bisweilen sehr lange und intensiv, bis sie mir zusagen. Texten ist teilweise echte Fleißarbeit. Ich verfüge ja mittlerweile über einen feisten Fundus an Liedern und Songideen (teilweise auch nur Fragmente), aus dem ich bei Bedarf schöpfen kann. Da is` aber auch jede Menge Müll dabei. Meist sind es jedoch eher die neuen Lieder, die veröffentlicht werden.

Außer dafür, dass du uns noch ein Butterbrot schuldest, brauchst du dich zumindest bei uns für nichts zu entschuldigen. Fehlt dir im Punkrock zu sehr Höflichkeit und gute Manieren?

`ne gewisse Höflichkeit und auch halbwegs gute Manieren find ich nicht verkehrt. Aber man muss es auch nicht überteiben. Ich sing zwar „Ja, vielleicht bin ich asozial“, aber meiner Meinung nach muss es im Punk nicht total asozial zugehen. Deshalb heißt es ja auch „…vielleicht bin ich asozial“. Ich mag es schon ein bisschen gesitteter, was nicht heißen soll, dass ich mir nicht den Arsch vollhauen, mich daneben benehmen und anderen auf die Nerven kann.

Wie oft entschuldigst du dich persönlich eigentlich so freiwillig oder gezwungen?

Da ich permanent `n schlechtes Gewissen habe, entschuldige ich mich genau 240 Mal am Tag. Das geschieht fast immer aus einem inneren Zwang heraus.

Wäre es eigentlich nicht mal so richtig niederrheinisch eine große Knibbelaktion mit dem Ziel mehr Sauberkeit und Ordnung zu starten, bei der diese Milliarden von Zwakkelmann Aufklebern entfernt werden, vielleicht als Trinkspiel im öffentlichen Raum?

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Das is` `ne jute Idee. Und für jeden abgeknibbelten Zwakkelmann-Aufkleber gibts von Schlaffke, dem Streber und Arbeitgeber, `nen Schnaps auf die Leber (schöner Reim).

Alles Gute nachträglich übrigens!!! Hast du eigentlich schöne Geschenke bekommen?

Dankeschön! Ja, da waren einige tolle Geschenke dabei. Zum Beispiel ein Kuchen in Z-Form, `ne The Who-Tasse und eine unsagbar hässliche, selbst gestrickte Schlaffke-Pudelmütze. Ein Witzbold schenkte mir außerdem `ne Helene Fischer-Biografie. Aber wirklich grandios, die John Lydon-Biografie „Anger is an energy“ von meinem Ex-Schlagwerker. Überaus köstlich, interessant und unterhaltsam, das Teil.

 Live:

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IMG_5341Das war´s schon wieder mit dem Punk im Pott 2015 – geht immer ganz schön schnell. Diesmal war das allerdings auch zum Teil selbst verschuldet. Da das Fest nach dem Fest diesmal mitten auf dem Fest lag, gab es bei einigen Leuten noch Weihnachtsfeierei. So auch bei meinem Begleiter. Das und diverse Zugausfälle und Verspätungen, haben diesmal dazu geführt, dass ich nur etwa die Hälfte der Bands mitbekommen habe. Immerhin war es die (für mich) interessantere Hälfte. Außerdem kommen zu den zwei Tagen Festival ja auch nochmal zwei obligatorische Katertage dazu, die ziehen sich dann natürlich immer wie Kaugummi und zwar wie so ein richtig gutes Kaugummi. Mit all dem Foto sortieren und Interviews schneiden wird dann insgesamt doch ein ganz schön langes Wochenende daraus. 😉 Naja, es war wie immer ein Fest und hier gibt´s jetzt endlich auch die Fotos dazu! Mini-Interviews wurden natürlich auch wieder geführt, unter anderem haben wir diesmal Die Bullen, Kotzreiz, Die Skeptiker, El Fisch, Dritte Wahl, ZSK, Sondaschule, Monsters of Liedermaching, Slime, Emscherkurve 77, Zwakkelmann, Killerpilze (ja!) und etliche andere vors Mikro bekommen. Das Ergebnis gibt´s dann samt guter Musik am 12. Januar ab 20 Uhr auf Punkrockers Radio zu hören! Neben einigen Highlights auf der Bühne (diesmal definitiv Slime, Dritte Wahl und Sondaschule) könnte im nächsten Jahr übrigens auch gut mal der Akkordeonspieler eingeladen werden. Das Konzert auf der Herrentoilette war großartig und eindeutig das Highlight vor der Bühne! :) Vielen Dank nochmal an Alex und alle HelferInnen, die dieses Festival jedes Jahr möglich machen! Der nächste Termin steht übrigens auch schon: den 27. und 28.12.2016 sollte man sich schonmal vormerken! :)